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Baumfällung mit der Kettensäge

Die Kettensäge

Kettensägen erfordern eine spezielle Handhabung, die in Schulungen vermittelt wird. Der Lehrgang AS Baum I bietet in einem 1-wöchigen Kurs das Erlernen des nötigen Basiswissen in Theorie und Praxis. Ein Zertifikat wird nach gelungenen Prüfungen ausgestellt. Herkömmlich sind die Fabrikate der Marken Stihl, Husqvarna und Dolmar anzutreffen, da sie alles in allem die verläßlichste Qualität haben.

Kettensägen werden im Normalfall mit einem 2- oder 4-Takt-Motor betrieben, welcher ein Benzin-Öl-Gemisch benötigt. Dabei sollte jedoch auf eine benzolfreie Variante zurückgegriffen werden, da sonst zu viele giftige Abgase erzeugt werden, die auf Dauer den Arbeiter schädigen. Es gibt jedoch neuerdings auch akkubetriebene Maschinen, die aber durch die längere Bremsdauer der Kette in einem Ernstfall andere Risiken birgt.

Die Kette selber erfordert eine regelmäßige Schärfung, entweder mit Feillehre, Schleifgerät oder einer speziellen Kettenschleifmaschine, in die die Kette eingespannt werden kann. Eine Kontrollmessung und symmetrische Schärfung durch einen Fachhändler ist jedoch hin und wieder nötig, um weiterhin gerade Schnitte durch Holz gewährleisten zu können. Das Schneideglied gibt es in der Voll- oder Halbmeißelvariante. Ein schwarzer Strich auf ihr sollte die maximale Abschleifungsgrenze anzeigen. Das Treibglied definiert die maximale Schnitttiefe ins Material.

Des Weiteren gibt es einige Sicherheitsvorschriften, die eingehalten werden müssen, um eine Motorsäge verwenden zu dürfen. Am Körper ist eine persönliche Schutzausrüstung aus Schnittschutzhose und -schuhen, Handschuhen und einem Helm mit Visier und Gehörschutz unerläßlich. An der Motorsäge selber befinden sich Kettenfangbolzen, Vorder- und Rückhandschutz, Kettenbremse, Antivibrations-System, Gashebelsperre, Krallenanschlag und eine Auspuffabschirmung, um den Verwender vor Verletzungen während des Arbeitens zu schützen. Grundsätzlich sollte nur mit einwandfreier Schneidgarnitur gearbeitet werden!

Die Baumfällung

Vor Arbeitsbeginn wird das geeignete Werkzeug ausgewählt, dazu zählt der Fällheber, mindestens 2 Keile, z. B. aus Aluminium, ein Spalthammer, eine Packzange zum leichteren Drehen und ein Sappie zum Ziehen der Holzstämme. Zunächst wird eine kurze Baumbeurteilung durchgeführt. Dabei wird die Baumhöhe, die Holzart, die Neigung bzw. der Stammverlauf, die Baumgesundheit (Baumkrone, Totholz) berücksichtigt, um die Fallrichtung zu bestimmen. Etwaige Wetterbedingungen oder Umgebungsfaktoren wie andere Bauwerke spielen dabei ebenso eine Rolle. So darf bei Sichtbehinderungen wie Nebel, Regenschauer, starkem Schneetreiben oder in der Dämmerung, sowie bei starkem Wind nicht gearbeitet werden. Der Gefahrenbereich stellt die doppelte Baumlänge dar, welcher abgesperrt werden soll. In diesem Bereich dürfen sich nur Leute aufhalten, die mit der Fällung beauftragt sind. Ein weiterer Arbeiter kann dabei eine große Hilfe sein, um z. B. in der Umgebung Passanten oder Spaziergänger vor Betreten des Gefahrenbereichs zu warnen.

Vor Beginn der Schneidarbeiten sollte der Platz frei von störenden Ästen, Steinen und Wurzeln sein. Zwei 7 bis 10m lange, hindernisfreie Rückweichen werden jeweils schräg nach hinten angelegt. Im Bereich der doppelten Armlänge sollte beim Schneiden niemand stehen, auch später beim Fällschnitt oder Entasten nicht. Gehörschutz und Visier herunterklappen, da die Holzspäne sonst in die Augen fliegen.

Ein Fällkerb wird nun auf der Seite geschnitten, in die der Baum fallen wird. Dabei kann genau anvisiert werden, in welche Richtung er fallen soll. Zur Hilfe dient dabei ein schwarzer Strich auf der Motorsäge, der rechtwinkling von der Schienenunterseite wegzeigt. Die Tiefe des Schnitts richtet sich nach der Dicke des Baumes und soll nicht mehr als ⅓ des Stammdurchmessers, jedoch nicht weniger als ⅕ betragen. Schräg von oben im 45°-Winkel wird nun eine Art Dreieck sauber aus dem Holz geschnitten (Fallkerbdach). Der entstandene Hohlraum ist der Fallkerb, der die Fallrichtung vorgibt.

Das Beischneiden der Wurzelanläufe hilft um eine bessere Übersicht bei der Fallkerbanlage und beim Fällschnitt zu bekommen. Bei erkennbar faulem Holz sollte das jedoch nicht gemacht werden, auch Splintschnitte sollten vermieden werden. Der Baum sollte dann der natürlichen Neigung entsprechend gefällt werden. Splintschnitte trennen die Rinde unterhalb der Bruchleiste, was ein Aufreißen verhindert. Dies ist bei Wertholz sehr wichtig.

Sind die Sicherheitsvorkehrungen, der Fallkerb und sonstige Beischneidungen ausgeführt geht es nun an den Fällschnitt. Für die Baumfällung gibt es eigens entwickelte und bewährte Schnitt-Techniken, die den Baum effektiv, schnell und ungefährlich zu Fall bringen. Bei allen Techniken beträgt die Bruchstufe 3cm, d. h. die Schnitte sollten etwas höher als die Fallkerbsohle angesetzt werden. Die Bruchleiste beträgt im Idealfall ein Zehntel des Baumdurchmesser. Sie sollte unter keinen Umständen durchschnitten werden, da sonst ein unerwarteter, unkontrollierter Fall droht! Es sollte noch einmal der Fallkerb, die Fallrichtung und das Umfeld kontrolliert werden. Vor dem Ansetzen des Schnitts, wird die Fallrichtung mit der Hand angezeigt und laut “Achtung, Baum fällt” gerufen.

Fällheberschnitt

Ist bei kleineren Bäumen, zwischen 14 und 20cm Brusthöhendurchmesser (BHD) möglich. Dabei wird ca. ⅔ des Fällschnitts mit der auslaufenden Kette vorgenommen, der Fällheber in der Mitte eingesetzt und der Rest des Fällschnitts schräg unter dem ersten Fällschnitt durchgeführt, wobei der Fällheber nicht unterschnitten wird. Nun kann der Fällheber gedrückt werden, was den Baum in die Fällrichtung lupft.

1/3, 2/3-Schnitt

Das ist die Standardvariante mit Keilen, die bei stabilen Bäumen ab 20cm BHD Anwendung findet. Mit der auslaufenden Kette wird ⅔ eingeschnitten, und danach sofort ein Keil mit einem Spalthammer oder einer Axt eingeschlagen. Mit der einlaufenden Kette wird von der anderen Seite der Rest gerade durchtrennt, und auch dort ein Keil eingesetzt. Nun werden die Keile so lange eingetrieben, eventuell sogar noch mehr eingeschlagen, bis der Baum so stark geneigt ist und dann nachgibt.

Schnitt mit Sicherheitsband

Auch hier wird mit Keilen und anfangs mit der auslaufenden Kette gearbeitet, jedoch wird in dieser Variante im ersten Schnitt am Ende durchgestochen, d. h. die Spitze der Säge kommt parallel und an der Grenze der Bruchleiste an der anderen Seite des Baumes wieder heraus. Dazu kann ein zweiter Arbeiter mit Anweisungen helfen. Die Keile werden nun auf der weggeschnittenen und der durchstochenen Seite platziert. Das im vorderen Eck, auf der linken Seite, ungeschnitten gelassene Stück dient so als Sicherheitsband für den Baum, was uns einen kontrollierbareren Fall ermöglicht. Mit der einlaufenden Kette kann das Band durchschnitten werden, und der Baum fällt sogleich. Wenn nicht kann ebenso mit dem Einschlagen von Keilen nachgeholfen werden.

Vorhängerschnitt

Bei stark geneigtem Holz wird mit der Schienenspitze gearbeitet. Hier wird mittig zwischen Bruchleiste und Halteband eingestochen. Hierbei sollte stark auf die Rückschlag- oder “Kick-Back”-Gefahr geachtet werden. Dabei ist das Arbeiten mit der vorderen Schienenoberseite zu vermeiden. Mit einer etwas schnelleren Drehzahl und mit dem anfänglichen Einstechen mit der vorderen Schienenunterseite kann das Risiko etwas minimiert werden und das Schwert frißt sich ins Holz. Ist das Schwert schon etwas im Holz kann es nun parallel zur Bruchleiste gestellt und durchgedrückt werden. Auch hier ist eine zweites Augenpaar von der anderen Seite hilfreich. Der Fällschnitt erfolgt mit der Durchtrennung des Haltebands schräg oder senkrecht von oben in den bereits enfernten Mittelteil. Dieser Vorgang sollte mit einem schnellen, präzisen Schnitt erfolgen, die Kettensäge dann so schnell wie möglich gebremst und herausgezogen werden, denn der Baum wird als Vorhänger sofort fallen.

Festhängen von Bäumen

Es kann passieren, daß gefällte Bäume in anderen Waldbäumen hängen bleiben. Hierbei sollte es dringend vermieden werden unter den Baum zu gehen! Eine Handpackzange kann unten am Baum eingehakt werden, was es erleichtert den Baum zu drehen. Dieser Vorgang kann wiederholt werden. Hilft das nicht, kann auch ein Drehzapfen die Sache erleichtern. Dabei wird mit der Säge die Bruchleiste von beiden Seiten durchtrennt. Ein Fällheber kann ebenso mehr Hebel beim Drehen entwickeln. Fällt der Baum immer noch nicht zu Boden sollte der Gefahrenbereich abgesperrt werden, mit einer Seilwinde der Baum festgebunden und z. B. von einem Traktor gezogen werden.

Einschneiden und Entastung

An Hängen sollte grundsätzlich von der Hangoberseite geschnitten werden, der Baum gegen Abrollen gesichert werden. Ansonsten bietet es sich an, von der linken Seite des Baumes zu arbeiten. Beim Einschneiden gilt es auf Druck- und Zugseite zu achten; in die Druckseite sollte der erste, in die Zugseite der zweite Schnitt erfolgen. Die einlaufende Kette zieht sich beim Einschneiden von selber ins Holz, während beim Schneiden von unten, mit der auslaufenden Kette, die Kette in das Holz gezogen werden muß. Beachtet werden sollte außerdem, daß beim Entasten nicht mit der laufenden Kette gegangen wird, da Stolpergefahr besteht. Die Motorsäge kann am Stammholz abgestützt werden, die Hebelpunkte können so besser genutzt werden. Bei Laubgehölzen erfolgt die Kronenbearbeitung stets von außen nach innen, und von oben nach unten.

Christian Nikitin März 2018

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