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Zengarten

Das Wesen der Dinge veranschaulicht

Der Zengarten gilt als besondere Variante des Japanischen Gartens, der vor allem im Kern vieler buddhistischer Tempel Japans seine Heimat hat. Er findet sich aber nicht nur dort.


Hojo-Teien im Ryōan-ji, Kyoto/Japan; 1)

Wieso der Zengarten nicht einfach nur eine Geschmacksrichtung ist

Der Unterschied zu anderen Gärten ist nämlich: Er entstand in Klöstern, Schulen des Bewußtseins, und versucht damit einen echten Lebensinn zugänglich zu machen, eine Orientierung zu bieten, die sonst im selbstvergessenen Alltag schon lange nicht mehr da ist. Es geht darum, innerlich anzukommen, bei sich, beim Wesen der Dinge. Dafür hat er mehrere Gesichtspunkte, die beachtet, genau diese Wirkung beim Betrachter bezwecken, ganz gleich, woher er kommt, was für eine Geschichte oder welchen angeblichen Geschmacksstil er hat.

Die Steine, die einsame Inseln im offenen Meer darstellen sollen (auch „Inseln der Unsterblichen“), spiegeln eine Disposition in einem selber ab: Im Leben bin ich alleine, was die nonduale Wahrheit ist. Wir leben nicht für die anderen, wir leben nicht in einem sozialen Geflecht oder Kollektiv, was besonders in Deutschland die gängige Auffassung ist, sondern jeder Einzelne ist Anfang und Ende der Wirklichkeit. Vor der eigenen Geburt, nach dem eigenen Tod, ja selbst im Schlaf oder in Gedankenlosigkeit, was ist da noch von den anderen, von Deutschland, von der Welt übrig? Jeder ist für sich eine Insel, einzigartig in der Beschaffenheit, völlig individuell und nicht wiederholbar. Auf das sollen die naturgeformten Steine hinweisen.

Die Stein-Konstellationen zeigen außerdem auf, daß jeder Stein für sich steht, nicht auf Bestätigung oder Stützung durch andere angewiesen ist. Gleichzeitig ist er ein Kraftpol und -zentrum seiner Umgebung. Es kann auch mehrere Steine geben, teilweise sogar Gruppen, aber es sind keine Kollektive die schwach machen, sondern sich gegenseitig bestärken. Hierbei gibt es einige Gesetzmäßigkeiten aus dem Feng-Shui, die die passenden Kombinationen näher erkären.

Die Umgebung als offenes Meer gestaltet, stellt das Feld der Wirklichkeit dar. Außerdem dient es als Bild für die zugrundeliegende Wahrheit, daß alles bereits am Ziel und Endpunkt ist. Das Wasser muß nirgendswo mehr hinfließen. Es ruht in sich, und kräuselt sich in Wellen nur noch oberflächlich. Auf diesem Fundament ist alles gegründet, was wir haben.


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Interessante Dokumentation hierzu:

Zen-Gärten, ARTE, 2012

Der Trockenlandschaftsgarten (jap. „Kare-sansui“) wurde auch in Deutschland verwirklicht: Japanischer Garten Nürnberg

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Bildquelle: Pixabay (Free-Photos)
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Bildquelle: Pixabay (entrecon)
zengarten.txt · Zuletzt geändert: 2020/11/14 19:43 von cn