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Der Rasen

Grundsätzliches

Laut der DIN 18917 ist mit Rasen eine durch Wurzeln und Ausläufer mit der Vegetationstragschicht fest verwachsene Pflanzendecke aus Gräsern gemeint, welche im Regelfall keiner landwirtschaftlichen Nutzung unterliegt. Entsprechend dem Verwendungszweck können auch Leguminosen und sonstige Kräuter enthalten sein.

Vor der Anlage eines Rasen, sollte die Nutzung festlegen, denn sie bestimmt welcher Rasentyp passend ist. Die Eigenschaften der jeweiligen Gräserarten und -sorten bestimmen ebenso die Leistungsfähigkeit einer Rasenfläche. So kann er von Spiel und Sport über Erholung und Gestaltung bis hin zum Erosionsschutz viele verschiedene, mögliche Anforderungen haben.

Die Pflegeansprüche variieren je nach Rasentyp, sind aber immer erforderlich. Man kann grundsätzlich davon ausgehen, daß es eine der pflegeintesivsten Bereiche im Garten ist. Im Vergleich ist aber der Landschaftsrasen - zumeist auffindbar an Randzonen an Verkehrswegen und im Erosionsschutz - mit dem geringsten Aufwand verbunden. Als mittel bis hoch wird der Pflegebedarf beim Gebrauchs- und Strapazierrasen gesehen. Den Gebrauchsrasen findet man auf öffentlichem Grün, in Wohnsiedlungen und in Hausgärten, den Strapazierrasen auf Sport- und Spielplätzen, sowie auf Liegewiesen. Zier- und Tiefschnittrasen, wie man sie auf Repräsentationsgrün und auf Golfplätzen findet, sind gärtnerisch am anspruchsvollsten, beachtet man die Regelmäßigkeit der Pflege und die benötigte Detailgenauigkeit und Obhut bei der Arbeit.

Der ideale Rasen sollte laut Kunden so aussehen: Optisch sattgrün, wachsen sollte er am besten so langsam wie möglich (man will ja schließlich nicht die ganze Zeit mähen), er muß wenig Wasser brauchen, vor allem pflegeleicht, aber auch strapazierfähig, und wenn es geht noch schattentolerant soll er sein. So ein Rasen ist sicher schwer zu finden, aber man kann sich an ihn annähern. Dafür gibt es eine Hilfestellung: Die RSM (Regel-Saatgut-Mischungen).

Die RSM sind Standard-Saatgutmischungen, die im Garten- und Landschaftsbau Anwendung finden. Sie sind zwar nicht verpflichtend, liefern aber definitiv eine höhere Rasenqualität als irgendein x-beliebiges Produkt aus dem Baumarkt. Es gibt für die verschiedenen Anforderungen (z. B. Gebrauchs- oder Landschaftsrasen) spezielle Mischungen, die in dem Bereich passen. So ist die RSM 2.3 ideal für Spielrasen. Sie enthält genau die Rasenarten, die benötigt werden, im perfekten Mischverhältnis. Also in dem Fall mehrere Arten Festuca (40%), Lolium (30%) und Poa (30%). Die RSM werden ebenso in der DIN genormt.

Die Ansaat einer Rasenfläche

Das Rasenubstrat sollte locker sein. Ist der Boden zu stark verdichtet muß eventuell sogar gefräst werden. Mit einem Rechen wird die Fläche ebengezogen, Unkräuter und Steine werden zusammengerecht und mit einer Flachschaufel aufgesammelt. Dann erfolgt das Walzen, so daß der Boden trittfest wird. Es kann erneut gerecht werden, damit der Boden wieder eine krümelige Oberflächenstruktur bekommt. Darauf werden nun die Rasensamen geworfen bzw. gestreut. Die beste Verteilung erfolgt bei einem fächerartigen Auswurf durch die Hände oder mit einem Saatstreuer. Die optimale Rasensamenverteilung wäre bei 20g/m² erreicht. Bis zu maximal einen Zentimeter können nun die Samen eingearbeitet werden, ein Rechen oder eine Harke sind dazu bestens geeignet. Zum Abschluß wird die Fläche erneut leicht angewalzt, damit die Samen zum Großteil mit Erde bedeckt werden, und so die besten Wachstumschancen haben.

Der Rasen wird wachsen, wenn er regelmäßig bewässert wird, bei trockenerem Wetter am besten morgens und abends, und wenn die Temperatur 5°C nicht unter- und 35°C nicht überschreitet; ideal sind die Wachstumsbedingungen zwischen 17 und 25°C. Er braucht genug Tageslicht und einen gut durchlässigen Boden, der zwar noch Wasser bindet, damit die Pflanze die Flüssigkeit verfügbar hat, aber auch keine Staunässe erzeugt. Die Durchlässigkeit des Bodens wird durch einen hohen Sandanteil im Rasensubstrat gewährleistet. Dadurch bekommen auch die Wurzeln ihren Sauerstoff. Ebenso sollten Nährstoffe (v. a. Stickstoff, Phosphor, Kalium, Eisen) zur Verfügung stehen und an die Nutzung angepaßt sein. Je höher die Belastung desto mehr Stickstoff ist nötig. Bei Regeneration, Neuanlage und Krankheitsbefall ist extra Düngung unablässig.

Die Narbendichte wird durch häufiges Mähen höher. Bedingt wird sie durch die Wuchsform der Arten, durch die Anzahl der Triebe pro m², durch die Blattbreite und -stellung, sowie durch die Wurzelbildung und die Konkurrenzkraft. Beim Mähen sollte beachtet werden, daß die Pflanzen nur max. ⅓ abgeschnitten bekommen dürfen, also bei einem 45mm hohen Gras darf die Endhöhe max. 30mm betragen!

Variante Rollrasen

Als Grundlage für Rollrasen wird ein mit dem Rechen (oder bei großen Flächen mit einem Minibagger) begradigter Erdboden, und mit einer Walze statisch verdichteter Erdboden benötigt. Damit werden Unebenheiten und Sackungen im vornherein vermieden. Jetzt kann die Fläche gut gedüngt werden, was dafür sorgt, daß der Rasen sich danach besser mit dem Untergrund verwächst.

Rollrasen wird in fertigen, meist in etwa 40x250cm oder 50x200cm, also genau 1m², großen Rollen angeliefert, die auf Paletten gestapelt werden. Der Preis variiert zwischen 3 und 8 Euro pro Rolle. Die Verarbeitung erfolgt sofort bei Anlieferung, da sie schnell faulen können. Bei der Auslage sollten sie so nah wie möglich und lückenlos aneinander gelegt werden, Kreuzfugen sind zu vermeiden. Die gesamte Fläche wird in Längs- und Querbahnen angewalzt, was für einen guten Bodenkontakt sorgt. Die Grenzstellen werden gut festgetreten und später am intensivsten bewässert. Die gesamte Fläche sollte die nächsten Tage und Wochen regelmäßig genäßt werden, damit sie sich gut etablieren kann und nicht austrocknet.

Problemfall: Moos im Rasen

Moose sind anpassungsfähige, erdgeschichtlich alte Pflanzen und breiten sich wie Farne über Sporen aus. Bei Moosbefall auf der Rasenfläche gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, diesen wieder loszuwerden. Man kann zwischen kurzfristigen und langfristigen Lösungen unterscheiden, die hier der Reihe nach erörtert werden.

Moose können zunächst mit einem Eisenrechen ausgerissen werden, um so eine provisorische Übergangsphase Freiheit von ihnen zu haben. Da das aber offensichtlich keine effektive Möglichkeit ist, sollte das nicht die einzige Variante sein, mit der versucht wird das Problem zu beheben. Da es Moose gerne an kühlen, schattigen Plätzen mögen, werden sie sich dort sicher weiter ausbreiten, würden nicht noch weitere Methoden angewandt werden um sie einzudämmen.

Eventuell kann darüber nachgedacht werden, einen Auslichtungsschnitt an umgebenden Bäumen, Sträuchern und Hecken auszuführen, der wieder mehr Sonnenlicht an den befallenen Stellen zuläßt. Dadurch hat auch das Gras bessere Durchsetzungschancen, da Moose dann eher austrocknen.

Immer empfehlenswert ist eine nährstoffreiche Düngung der betroffenen Stellen, da ein Mangel eine der Hauptursachen für die Moosokkupierung ist, der es viel besser an nährstoffarmen Stellen aushalten kann. Ein höherer Kaliumanteil, sowie viel Eisen fördern dabei wieder die Widerstandsfähigkeit unserer Gräser; organische Dünger fördern das Breitenwachstum unserer Grassorten. Die Einbringung sollte regelmäßig im Frühjahr und Herbst erfolgen, um auf Dauer Erfolge zu erzielen.

Neben den genannten Möglichkeiten sind Vertikutieren (Anschneiden der Grasnarben; entfernt Mulch und Moos und fördert Bodenbelüftung), sowie Aerifizieren (Durchlockerung und Belüftung des Bodens durch Einbringen von Sand) ideale Bestandteile einer Förderung unserer Rasenqualität. Ein schwerer, verdichteter Boden, der zu Staunässe neigt, wird so wieder durchlässiger und für unsere Gräser wurzelfreundlicher.

Das Ziel, ein moosfreier Rasen, wird nicht ohne Gras erreicht, weshalb nachsäen niemals schadet. Sind die Bodenarbeiten abgeschlossen, können die Samen verteilt, eingearbeitet und bewässert werden. Es sollte dabei eine hochwertige Regelsaatgutmischung verwendet werden, die unser Grün dichter und widerstandsfähiger wachsen läßt.

Die beste Möglichkeit, den Moosbewuchs auf dem Rasen so gering wie möglich zu halten, ist die Einhaltung eines Rasenschnitts, der die Halme nicht kürzer als 5 Zentimeter macht. Dadurch erhalten die einzelnen Grasblätter, besonders wenn sie im Schatten sind, ihre Oberfläche und können so mehr Sonnenlicht für ihren Wachstumsprozeß gewinnen. Außerdem wird dadurch der Boden feuchter und dunkler gehalten, was die Ansiedlung von Fremdpflanzorganismen erschwert.

Generell hilft regelmäßiges Mähen, regelmäßiges Bewässern und regelmäßiges Düngen, um unseren Garten langfristig moosfrei gestalten zu können.

Christian Nikitin März 2018

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